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Der „Fall“ der bayerischen Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer

veröffentlicht um 01.09.2014, 04:37 von Ulrich Seibert
Christine Haderthauer (Quelle: Wikipedia)
Traurig, traurig. Da steht die bayerische Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer unter massivem Beschuss, weil sie den bayerischen Landtag nicht wahrheitsgemäß über ihre Verwicklung in die dubiosen Geschäfte ihres Ehemannes informiert hätte. Gutachten sind zu dem Schluss gekommen, dass die Geschäftsanteilsübertragung an ihren Mann unwirksam gewesen wäre (die schriftliche Einverständniserklärung der anderen Gesellschafter hätte gefehlt), somit wäre sie faktisch noch Mitgesellschafterin, obwohl sie behauptet hat, aus dem Unternehmen längst ausgeschieden zu sein. Gut, da gibt es noch ein paar Faktoren mehr, aber letztlich kann man die Sache drehen oder wenden, wie man will: Frau Haderthauer hatte offenbar die Intention, das Unternehmen zugunsten ihres (damaligen) Ministerjobs zu verlassen, war aber zu flapsig, das juristisch ordentlich auf die Reihe zu bekommen. Deshalb steht sie jetzt am Pranger – letztlich wegen Formfragen. Meine Güte, wenn es nur das wäre, dann würde ich sagen „Gut, von einem Minister muss man zwar ein gewisses Maß an Sorgfalt erwarten können, aber solange sie diese Sorgfalt nur in privaten Angelegenheiten vermissen lässt und ansonsten ihren Job ordentlich macht, lasst die Frau doch einfach in Ruhe!“

Doch zu meinem großen Erstaunen und Entsetzen wird der eigentliche Skandal, der dahinter steckt, noch nicht einmal im Landtag behandelt, schon gar nicht von Gutachtern untersucht: Die Tatsache, dass die Firma, die einst der früheren Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen (!!!) gehört hat (oder nach juristischer Lesart noch immer gehört), dickes Geld damit macht, indem sie die Schwächsten und Hilflosesten unserer Gesellschaft, nämlich geistig Behinderte, teils gegen deren Willen einspannt, um Modellautos herzustellen, die für teilweise fünfstellige Beträge (!) verkauft werden, ist eine bodenlose Sauerei. Diese würde vielleicht etwas abgemildert werden, wenn die Erträge der Einrichtung zugute kämen, in der die Hersteller dieser Modelle untergebracht sind, aber nein, die Erträge fließen quasi in die Privatschatulle der Haderthauers, während die eigentlichen Leistungsträger mit Brosamen abgespeist werden. Aber darüber diskutiert der Landtag nicht. Und warum nicht? Weil man das in einem kapitalistischen System eben so macht? Weil es ein anderer machen würde, wenn Herr Haderthauer, seines Zeichens von 1990 an verantwortlicher Arzt der „Arbeitstherapie Modellbau“ im Bezirkskrankenhaus Ansbach, das nicht gemacht hätte?

Erfreulicherweise wurde inzwischen ein Disziplinarverfahren gegen Hubert Haderthauer eingeleitet. Warum der Landtag nicht ein analoges Verfahren gegen Frau Haderthauer ingang setzt, ist mir unbegreiflich. Aus moralischer Sicht hätte sie spätestens mit Antritt ihres Ministeramts dem Treiben Ihres Mannes ein Ende setzen müssen. Sie hat das nicht getan, verständlich, war sie doch in einem Interessenskonflikt gefangen. Dennoch, als Ministerin war sie seinerzeit dadurch moralisch ebenso wenig tragbar wie anno 1993 Herr Wiesheu, den der damalige Ministerpräsident Streibl  ausgerechnet zum Verkehrsminister gemacht hat, zehn Jahre, nachdem Wiesheu im Suff einen Rentner totgefahren hatte. Ja, auch das ist Bayern. Traurig, traurig …

Frau Haderthauer, bitte! Ersparen Sie sich selbst und Ihrem Amt weitere Peinlichkeiten, stehen Sie zu dem, was Sie und Ihr Mann getan haben und ziehen Sie endlich die einzig saubere Konsequenz!
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