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Die nächste Finanzkrise klopft bereits laut an die Tür!

veröffentlicht um 01.03.2018, 02:34 von Ulrich Seibert
"Ihr habt Augen und sehet nicht, Ohren und hört nicht, und denkt nicht daran" (Markus 8,18)

Am 18. Januar 2018 veröffentlichte die WELT eine Meldung unter dem Titel: "Faule Kredite - Für Europas Banken stehen 950 Milliarden Euro auf der Kippe".  Kurz gesagt geht es um den Fortschrittsbericht über die Risiken der europäischen Bankenbranche, den die EU-Kommission in Auftrag gegeben hat. In diesem ist nachzulesen, dass die europäischen Banken auf faulen Krediten in Höhe von 950 Milliarden Euro sitzen. 950 Milliarden Euro! Zum Vergleich: Der Bundeshaushalt liegt bei 356,8 Mrd. Euro. Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands liegt bei 3,26 Billionen Euro. Dabei handelt es sich um Kredite, die bereits seit 90 Tagen oder länger nicht mehr bedient werden.

Was in dieser Zahl noch gar nicht erfasst ist, sind die Kredite, die bereits schwächeln, die die Drei-Monatsfrist aber noch nicht (oder nicht mehr) ankratzen. Was in dieser Zahl außerdem nicht enthalten ist, sind die Kredite von Firmen, die im Prinzip pleite sind, die es aber wegen des billigen Geldes noch schaffen, sich regelmäßig so zu refinanzieren, dass sie ihre alten Kredite quasi "prolongieren" können. Dr. Markus Krall, der Banken im Bereich Risikomanagement berät und Autor des Buches "Der Draghi-Crash: Warum uns die entfesselte Geldpolitik in die finanzielle Katastrophe führt" schätzt, dass auf diese Zahl noch etwa 1,5 Billionen Euro (!!!) faule Kredite oben drauf kommen, die in den offiziellen Berichten gar nicht erst auftauchen. Er begründet das mit der Nullzinspolitik der EZB. Diese würde dafür sorgen, dass Firmen subventioniert und gestützt würden, die unter einem normalem Marktumfeld längst in Bankrott gegangen wären. Sie müssen kaum Zinsen auf Fremdkapital bezahlen und auch die Ansprüche an die Eigenkapital-Rentabilität wären durch die EZB-Politik gesunken. Banken sitzen auf einer riesigen Menge EZB-Liquidität und müssen diese in die Wirtschaft pumpen, ohne dass sichergestellt ist, dass diese Kredite jemals wieder zurückgezahlt werden können. Wer mehr über das Thema erfahren möchte, mag sich dieses Video hier ansehen.

Summa summarum lauern also faule Kredite in Höhe von um die 2,5 Billionen Euro in den Büchern der Banken und diese haben bislang versäumt, auch nur die bereits von der EU-Kommission genannten Kredite über Abschreibungen sachgerecht wertzuberichtigen. Verständlich, denn eine ordnungsgemäße Buchführung kann einem den ganzen Tag versauen, die Quartals- und Jahresergebnisse verhageln und im Zuge dessen Ausschüttungen an Aktionäre, definitiv aber auch Manager-Boni gefährden. Mario Draghi, der Chef der EZB weiß das genau. Deshalb fürchtet er sich - zusammen mit Europas Regierungschefs - vor dem, was passiert, nein, was zwangsläufig passieren muss, wenn er die Zinsen wieder erhöht. Die genannte Summe von 2,5 Billionen Euro wird innerhalb weniger Monate nach einer Zinserhöhung ausfallen und die Banken ruinieren. Im Zuge dessen wird die gesamte Wirtschaft unter Druck geraten. Und dieses Mal geht es um Summen, die sich Kanzlerin Merkel nicht mehr mit Steuergeldern aus den Rippen respektive dem Bundeshaushalt schneiden kann. Das nächste Mal kracht es so richtig! Nicht, dass das nicht abzusehen wäre. Nicht, dass man etwas dagegen tun könnte, wie zum Beispiel den Finanzmarkt endlich drastisch zu regulieren. Aber, hey, die kapitalistische Show must go on! In der letzten "Anstalt" vom 27.2. wurde gesagt, dass allein der Mineralölkonzern EXXON 900 Millionen US-Dollar investiert hat, um die Amerikaner davon zu überzeugen, dass es den Klimawandel überhaupt nicht gibt. Augen zu vor allen Katastrophen dieser Welt, egal, ob die Menschheit dabei draufgeht, was wirklich zählt, ist nur das nächste Quartalsergebnis! 

Nun, Draghi wird die Zinsen von sich aus nicht erhöhen, aber Draghi ist auch nicht der Nabel der Welt. Kann er sich einem solchen Schritt - auch wenn dieser die Wahl zwischen Pest und Cholera darstellt - entziehen, wenn die FED, die US-Notenbank, ihre Leitzinsen anhebt? Das darf getrost bezweifelt werden. Unabhängig davon wird es für Europa keine große Rolle spielen, ob seine Wirtschaft crasht, weil die Zinsen nach oben gehen oder ob sie crasht, weil Kapital in großem Umfang in die Vereinigten Staaten transferiert wird.

Daraus lassen sich einige Schlussfolgerungen ziehen:
  1. Für den privaten Bereich: Es wäre ratsam, keine großen Geldbeträge bei Banken liegen zu haben! Gleiches gilt für Aktien. Aktien sind langfristig normalerweise eine weitgehend sichere Anlage, vorausgesetzt natürlich, man ist nicht gezwungen, sie während einer Baisse (fallende Kurse) zu versilbern. In einem Crash von den Dimensionen, die wir von dem nächsten erwarten dürfen, werden sehr viele Aktien aber komplett ausfallen. Halten Sie die richtigen Aktien in Ihrem Portfolio, diejenigen, die einen Crash nicht nur überleben, sondern, deren Kurse sich auch innerhalb einer übersichtlichen Zeitspanne nach dem Crash wieder erholen werden? Vergessen Sie Bitcoins etc.! Diese Blase hat bereits begonnen, zu platzen und hier muss mit einem Komplett-Ausfall gerechnet werden. Die momentan sicherste Anlagestrategie (wenn auch keineswegs eine rentable) dürfte die in Sachwerte sein.

  2. Politische Folgen. Die Politik hat lange genug zugesehen, wie die Finanzwirtschaft sich über die Realwirtschaft erhoben und diese zu ihrem Sklaven gemacht hat. Riesige Gewinne wurden durch Spekulationen gemacht. Dadurch ist eine ganze Branche entstanden und das Ganze hat bisher funktioniert, weil die Politik das nicht nur geduldet, sondern gar noch unterstützt hat. Gewinne wurden privatisiert, während Verluste sozialisiert, also vom Steuerzahler getragen werden mussten. 2008 ist ein deutlicher Warnschuss gefallen, doch die Politik wollte ihn nicht hören. Diese Selbstbedienungsfinanzwirtschaft hat ausgedient! Wie die Klimakatastrophe wird der Mensch unter dem Joch dieser Finanzwirtschaft selbst und gerade bei deren Zusammenbruch generell leiden, auch wenn einige Wenige sicher weiterhin davon profitieren werden.
Ich zitiere - zusammen mit der oben erwähnten "Anstalt" Mister Spock: "Das Wohl von Vielen, es wiegt schwerer als das Wohl von Wenigen oder eines Einzelnen."
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